7 Gründe warum du dein Gemüse selbst anbauen solltest



Der Frühling steht vor der Tür. Es fröstelt nachts nicht mehr, die Sonne erweckt die Natur von Neuem, es blüht. Vielleicht überlegst auch du, ein paar Gemüsebeete in deinem Garten, auf deiner Terrasse oder sogar auf deinem Balkon anzulegen? Dann ist es jetzt höchste Zeit!


Vielleicht bist du noch unsicher und fragst dich: lohnt es sich, meine Energie in ein solches Projekt zu stecken? Was spricht für selbst angebautes Obst und Gemüse? Gibt es vielleicht auch Nachteile?

In diesem Artikel beleuchten wir die sieben Gründe, weshalb auch du dir deine Dosis an Vitaminen selbst züchten solltest. Ich werde vor allem von Gemüse sprechen, da Obst oft von Bäumen geerntet wird und dies auf einer Terrasse oder einem Balkon weniger einfach zu realisieren ist. Es gibt dennoch Obst, das du auch auf deinem Balkon in Töpfen züchten kannst, wie Himbeeren, Heidelbeeren, Brombeeren und einige mehr. Du hast einen Garten? Umso besser! So stehen dir so ziemlich alle Türen offen.


Die für den Eigenanbau sprechenden Gründe sind dabei nicht nach Wichtigkeit geordnet, die Reihenfolge ist willkürlich. Steigen wir direkt ins Thema ein...


1. Umwelt: Pestizideinsatz

Ein großes Argument beim Eigenanbau von Gemüse ist das Weglassen von schädlichen Pestiziden. Du kannst selbst entscheiden, ob und in welcher Menge du deine Pflanzen einsprühen oder unbehandelt belassen möchtest – obwohl ich dir unbedingt die naturbelassene Variante ans Herz legen muss.



Pestizide senken nicht nur die Lebensmittelqualität und sind somit schlecht für unsere eigene Gesundheit, Pestizide sind umso verheerender für andere Lebewesen, wie Insekten. Minimiert man mittels derer das Bestehen bestimmter Insekten um ein Vielfaches, fallen diese als Nahrungsgrundlage für andere Tiere weg. Pestizide provozieren einen Rückgang der Artenvielfalt – und darunter fallen nicht nur die Insekten, die sich unwillkommenerweise von deinen Pflanzen ernähren wollen, sondern auch jene Nützlinge, die diese unwillkommenden Insekten auf natürliche Weise beseitigen.


Der natürliche Kreislauf wird vernichtet. Schädlinge haben durch das Sterben der Nützlinge erneuten Zugang zu den Pflanzen und müssen mit einem neuen Pestizid bekämpft werden, da sie bei durchgehendem Einsatz derer Resistenzen bilden. Der Giftstoff funktioniert nicht mehr. Wir finden mit der Zeit also nicht nur ein hohes Maß an Pestiziden, sondern auch einen signifikanten Mix auf unseren Feldern vor.


Auch Bienen, die für die Bestäubung der Blüten und somit die Erhaltung und Weiterführung der Natur und deren Früchte doch so wichtig sind, leiden unter den Pestiziden. Der seit Jahren thematisierte, dramatische Rückgang der Bienenbevölkerungen kann unter anderem auch auf den Pestizideinsatz zurückgeführt werden.


Doch nicht nur Lebewesen leiden, sondern auch die Erde selbst. Pestizide gelangen ins Grundwasser, wodurch die Giftstoffe schnell weiter transportiert werden und an anderen Stellen ebenfalls ihren Schaden anrichten. Es gibt Orte, an denen intensive industrielle Landwirtschaft bestrieben wird, an denen man kaum mehr Leben vorfindet. Gelangen die Pestizide ins Meer, sind sie außerdem schädlich für Korallenriffe.


Baust du dein Gemüse also selbst an, hast du selbst die Kontrolle darüber, was du da eigentlich isst. Statt künstlicher Pestizide kannst du auf die natürlichen Nützlinge zurückgreifen, welche die unwillkommenen Gäste auf natürliche Weise eingrenzen.


2. Besserer Geschmack

Ein etwas simpleres Argument dafür, sein Gemüse selbst anzubauen, ist der Geschmack. Wir alle kennen den wässrigen Geschmack der Tomaten die man im Supermarkt findet, bei der das Innenleben fast nur aus Geschlabber und Kernen besteht, statt dem leckeren „Tomatenfleisch“.


Kommen die Produkte aus dem Ausland, werden sie sehr früh, ja gar unreif geerntet, damit sie bis sie im Supermarkt ankommen, nicht schon verdorben sind und sich nach dem Kauf noch eine Weile bei uns zu Hause lagern lassen, bevor sie verzehrt werden. Doch darunter leidet der Geschmack. Wir kennen es doch alle: man kauft beispielsweise Nektarinen, beim Kauf sind sie hart wie Stein, sie brauchen ewig, um zu reifen und sind dann auf einmal schlecht. Kannst du diese wiederrum direkt aus dem Garten ernten, tust du dies in dem Moment, in dem du sie – reif – verzehren möchtest – mit vollem Geschmack.


3. Nachhaltigkeit: Import


Unter den Punkt der Nachhaltigkeit könnte man sicherlich mehrere Aspekte gliedern – darunter auch den ersten Punkt dieses Artikels, der Pestizideinsatz, und weitere, die unten noch aufgeführt werden. Wir betrachten die unterschiedlichen, die Umwelt betreffenden Aspekte jedoch getrennt, um die Wichtigkeit eines jeden zu abstrahieren (und um zu zeigen, dass man nicht alle Umweltthemen immer unter die große Kategorie „Umwelt“ packen kann – das minimiert die einzelnen Problematiken etwas).


Im Supermarkt finden wir das ganze Jahr über fast alle Obst- und Gemüsesorten vor. Heutzutage kann man nicht nur Gemüse kaufen, das lokal und saisonal angebaut wurde, sondern Produkte aus der ganzen Welt. Viele Sorten kommen aus dem Ausland, wo andere Wetterbedingungen herrschen und der Anbau somit möglich ist oder die Nahrungsmittel in Gewächshaustunnels gezüchtet werden. Wir können also immer auf alles zurückgreifen, was das Herz begehrt. Doch zu welchem Preis für die Umwelt?


Um bei uns im Supermarkt zu landen, müssen die Produkte erstmal mit LKWs aus den Nachbarländern eingefahren oder mit Flugzeugen bzw. Schiffen aus dem entfernteren Ausland eingeflogen bzw. -schifft werden. Dabei wird eine Menge CO2 ausgestoßen, was wiederrum zur Erderwärmung beiträgt. Wir merken schnell: das ist nicht gerade nachhaltig, sondern eher schlecht für die Umwelt.


Beim Eigenanbau deines Gemüses kannst du den Weg, den deine Nahrungsmittel hinlegen um ein Vielfaches minimieren. Der Weg aus deinem Garten bzw. von deiner Terrasse in deine Küche ist wesentlich kürzer als jener aus dem Ausland über mehrere Etappen bis in deine Küche. Sein eigenes Obst und Gemüse anzubauen ist also wesentlich nachhaltiger.


4. Nachhaltigkeit: keine Monokulturen

Im vorherigen Punkt haben wir über den Transport gesprochen. Gehen wir nochmal einen Schritt zurück und schauen uns die „Herstellung“ des Obsts und Gemüses an, also die Felder auf denen sie wachsen.



Für die Herstellung dieser riesigen Mengen an Obst und Gemüse, die unsere Supermärkte das ganze Jahr lang füllen, wurden irgendwann einmal sogenannte Monokulturen eingeführt. Dahinter steckt vor allem der Gedanke der Effizienz, was im Kapitalismus natürlich schnell seinen Platz findet. Grundgedanke ist, dass auf einer riesigen Fläche nur eine einzige Gemüse- oder Obstsorte angebaut wird. Dies mag zwar effizient sein, hat jedoch zahlreiche Nachteile und einen unglaublichen (negativen) Einfluss auf den Zustand der Natur an diesen Orten.


Verschiedene Obst- und Gemüsesorten haben unterschiedliche Ansprüche und brauchen bestimmte Nährstoffe für ein optimales Wachstum. Manche beeinflussen sich sogar positiv auf das Wachstum der Nachbarpflanzen bzw. können auf natürliche Art und Weise vor Schädlingsbefällen schützen. Bei Monokulturen ist dies nicht der Fall.


Es ist weit und breit nur diese eine Gemüsesorte vorzufinden. Der Boden wird dahingehend ausgelaugt, dass die eine Pflanze ja immer dieselben Nährstoffe braucht und aus dem Boden zieht. Es herrscht also keine Balance. Der Humusgehalt im Boden sinkt. Der Bauer muss künstlich in ansteigender Menge düngen, um zu versuchen, die Pflanze mit den notwendigen Nährstoffen zu versorgen. Dies hat wiederrum negative Auswirkungen auf Boden und Grundwasser. Mit der Zeit verändert sich die Zusammensetzung des Bodens auf negative Art und Weise, Organismen, die im Boden leben, nehmen immer mehr ab.



Der Boden wird irgendwann trocken, hart und nährstoffarm, wodurch die Wasseraufnahme und -speicherfähigkeit ein Problem werden. Infolgedessen leidet auch die Pflanze und kann Krankheiten bzw. Schädlinge anziehen. Dies wiederrum führt dazu, dass der Bauer sich gezwungen sieht, vermehrt Pestizide einzusetzen, um diese Krankheiten und Schädlinge zu vernichten. Tiere finden auf diesen Flächen kaum Nahrung und Bienen sterben, da ihr Lebensraum und ihre Nahrungsvielfalt extrem eingeschränkt sind.


„Mono“ kann als Wort so ziemlich als Gegenteil von „Vielfalt“ gesehen werden. Es herrscht keine Interaktion und kein Zusammenleben zwischen den Pflanzen und den anderen Akteuren der Natur. Auf lange Sicht wird diese Art von industriell hochgezogenen Pflanzen zu unfruchtbaren, kargen Böden führen, was in entfernterer Zukunft zu Problemen der Nahrungsmittelversorgung führen kann.


Hast du einen Gemüsegarten, bin ich mir zu 99,99 % sicher, dass du nicht vorhast, nur eine einzige Gemüsesorte anzubauen. Zumindest ist dies relativ unwahrscheinlich. Durch den Anbau deines vielfältigen Gemüsegartens trägst du aktiv einen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt bei, ermöglichst es deinen Pflanzen, sich gegenseitig zu schützen und unterstützen, ziehst Bienen an und bietest einen Lebensraum für zahlreiche Insekten.


5. Den Gang zum Supermarkt gespart

Ein kleineres Argument ist, dass du nicht zum Supermarkt gehen musst. Du kannst einfach in deinen Garten gehen, das ernten, was du für deine Mahlzeit brauchst und sie im Handumdrehen zubereiten. Selbst, wenn du mal keine Idee hast, was du kochen sollst, kannst du dich von deinem Garten inspirieren lassen.


Wer heute ohnehin pandemie-ausgelöst Lieferservices nutzt, kann so vermeiden, dass sein Salat unter der Hafermilchpackung zerquetscht wird und unfrisch bei sich ankommt.


6. Money, money, money...

Geld spielt (leider) immer und überall eine Rolle. Doch hier kannst du mit deinem eigenen Gemüse einiges sparen. Startest du dein Gemüsebeet-Projekt, musst du zwar erstmal in die Materialien investieren, die du für den Anbau deines Gemüses brauchst, hast dafür aber eine Menge an Ertrag.


Hast du ein kleines Budget, so kannst du auch erstmal einen etwas wilderen Garten anpflanzen, ohne Holzbarrieren zwischen den Beeten. Dies ist bei Balkonen und Terrassen eher nicht möglich. Aufgrund der kleineren Fläche fällt das Budget für die Materialien allerdings nicht so hoch aus. Falls du im Vorhinein planst, kannst du die Kerne bzw. Samen von dem Obst und Gemüse das du im Vorjahr isst, sammeln und trocknen und diese in dein Gemüsebeet pflanzen. So sparst du Geld beim Kauf der Samen.


Du kannst Früchte, die im Supermarkt sehr teuer sind, selbst anbauen und die ganze Saison lang kostenlos genießen. Darunter fallen vor allem Beeren, also Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren... oder zum Beispiel auch Physalis. Insbesondere Beeren haben zahlreiche Vitamine und wirken entzündungs-hemmend, was super gesund für unseren Körper ist. Sie sind im Supermarkt allerdings in kleiner Menge bereits ziemlich teuer. Produzierst du sie selbst, kannst du sie einfrieren oder aus ihnen Marmeladen oder Kompotts machen, um sie außerhalb der Saison ganzjährig genießen zu können.


Generell kannst du Konserven selbst machen. Du kannst aus den Tomaten Tomatensoße und Ketchup, aus Früchten Kompotts oder Marmeladen machen, du kannst Zwiebeln, Gurken, Blumenkohl und eigentlich alles was du willst einlegen und noch vieles mehr. Manche Gemüsesorten halten sich in angepasster Umgebung ziemlich lange, wie Kartoffeln und vor allem Kürbis.


Nutzt du deinen Garten oder Außenbereich zum Eigenanbau, sparst du also nicht nur beim frischen Obst und Gemüse, sondern auch bei allen möglichen Konserven und Produkten, die du eben mit deinem Obst und Gemüse herstellen kannst.


7. Selfcare

Das Projekt des Eigenanbaus hat nicht nur Vorteile für die Natur, deinen Geldbeutel und deinen Gaumen. Es gibt dir die Möglichkeit, mehr Zeit draußen zu verbringen, dich als ein Teil der Natur zu fühlen und einen positiven Beitrag für diese zu leisten, sie nicht auszubeuten sondern in Harmonie mit ihr zu leben.



Ein Argument kann also auch das Innen sein, dein Inneres. Es kann etwas meditatives haben, sich um seinen Garten zu kümmern. Du siehst die Pflanzen von Null auf wachsen, freust dich über jede Frucht, die wächst und kannst das Resultat in Form von Nahrung genießen. Du durchgehst einen Prozess von A – Z. Dies kann sehr belohnend wirken und einen positiven Einfluss auf deine innere Balance haben. Du fühlst dich nicht nur durch dein frisches, leckeres Essen besser, sondern auch durch den Hintergedanken, dass du das alles selbst erschaffen hast.




Es gibt noch zahlreiche weitere Argumente für den Eigenanbau deines Obst und Gemüses. Dazu kommt vielleicht in Zukunft nochmal was.


Vielleicht hat auch dich das Gärtner-Fieber gepackt, du bist dir allerdings nicht sicher ob du genug Platz hast? Du brauchst nicht unbedingt einen großen Garten, um dein Anbauprojekt zu realisieren. Selbst auf einer Terrasse oder sogar nur einem Balkon kannst du mehr anbauen, als du dir im ersten Moment vielleicht vorzustellen vermagst.


Falls du wirklich gar keinen Außenbereich hast, kannst du die Fensterbänke für Kräuter nutzen und mit diesen deine Gerichte anreichern. Es gibt zahlreiche YouTube-Videos von kleinen Balkonen, die wie ein kleiner, niedlicher Urwald aussehen, auf denen Gemüse, Kräuter und teilweise auch ein paar Obststräucher in Hülle und Fülle blühen und Früchte tragen. Hier ein paar Beispiele, bei denen du dich inspirieren kannst, wenn du noch nicht überzeugt bist:



Du denkst dir jetzt: Und im Winter? Da muss ich ja dann wohl wieder im Supermarkt einkaufen...“ – Aber nein, das muss nicht sein. Hast du Platz, ist ein Gewächshaus in diesem Fall eine super Anschaffung, mit der du das ganze Jahr lang Gemüse anbauen kannst. Wenn du nicht weißt, welches Gewächshaus für dich das beste sein könnte, kannst du hier vorbeischauen.

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